Motivsuche

von Khun Krut

der Dauerbrenner "unterschiedliche Preise" ist derart ausgelutscht, daß eine neue Sicht und ein neuer Zungenschlag unbedingt von nöten erscheinen. Sonst besteht die Gefahr, daß er aus unserem Blickfeld verschwindet. Woher nehmen wir dann unsere Gefühlsaufwallungen, Empörungen und den zeitweise gesunden vorübergehend erhöhten Blutdruck?

Die Vorwürfe gegen unsere Gastgeber reichen von Habgier, Rücksichtslosigkeit, Dummheit, Kurzsichtigkeit über Fremdenhaß bis zum Rassismus. Alles wurde eingehend und permanent untersucht, bejaht oder verworfen. Zum Glück hat sich nichts geändert, so daß wir uns weiter, mit Fug und Recht, ereifern können.

Nun aber gerät unser Weltbild ins Wanken. Die Rollenverteilung Thai-Ausbeuter gegen Farang-Opfer ringt um Fortbestand. Warum nunmehr dieses?

Es gibt da nämlich an der Sukhumvit, zwischen Naklua und Pattaya, ein Flaschenmuseum. Das einzige der Welt, wie die Eigenwerbung schreibt. Also muß man es gesehen haben. Mehr als 300 Flaschen zeigen die Welt in Miniatur. Gewiß lobenswert, was da zusammengetragen wurde. Wer will sich das entgehen lassen?

Künstler, Initiator, Museumsbetreiber und -besitzer ist ein Holländer. Garantiert weißrassig. Endlich mal einer, der mit dem Unfug unterschiedlicher Eintrittspreise aufräumt, vorbildlich den Thailändern zeigt, wie man den falschen Eindruck des Rassismus vermeidet, dachte ich mir.

An der Kasse wurde ich belehrt. Der Eintritt ist nicht hoch, wohl angemessen, aber auch hier verdoppelt er sich für den Farang.

Und nun wälze ich mich allnächtlich ruhelos auf meiner Lagerstätte. Wie ist dieser Sachverhalt einzuordnen? Rassismus kann es auch hier nicht sein, weil der Weißrassige seine eigene Rasse bestrafen würde, wogegen er Andersrassige bevorzugt. Ist es Habgier, wie sie sonst angeblich doch nur Thailänder zeigen? Kann auch kaum sein, weil die Preise niedrig sind. Fremdenhaß? Gegen wen? Doch nicht gegen die eigene Rasse!

Oder sollte hier die geringere bzw. größere Leistungsfähigkeit der Thailänder bzw. Farangs berücksichtig werden? Wird der Farang, aufgrund seines Vermögens, seiner Leistungen und damit seiner bemerkenswerten Fähigkeiten, durch eine bessere Einstufung gewürdigt? Welches Motiv bewog den Weißhäutigen solchermaßen zu handeln?

Wir wollen doch sehr hoffen, daß Thailänder in diesem Vorgehen keine Herabsetzung erblicken. Nichts ertragen unsere liebenswerten Gastgeber weniger, als Gesichtsverlust. Dann, armer Museumsinhaber, gehst du einen schweren Gang und solltest schleunigst gleiche Preise einführen, welche Jedermann gleichermaßen würdigen. Oder doch nicht?

Wie mans macht, isses falsch!


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