Kurz gefragt
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Ratanee Hongchai (der Familienname
bedeutet auf Deutsch „siegender Schwan“) stammt aus Loei
im Nordosten und hat zwei jüngere Schwestern. Sie kam
vor 15 Jahren nach Pattaya und arbeitete in einem
einfachen China-Restaurant und in der Krankenpflege.
Jetzt ist sie als Hausfrau mit Haus und grossem Garten
voll beschäftigt. Ausserdem hilft sie ihrer Schwester
bei der Versorgung und Betreuung von zwei kleinen
Kindern. |
Sie sind kürzlich von einem dreimonatigen
Aufenthalt in Deutschland zurückgekehrt. Was haben Sie am
meisten vermisst?
Offen gesagt, ich bin lieber in Thailand, bei meinen
Angehörigen und Freunden, als in Deutschland. Deutsche, die
sich ebenfalls lieber in Thailand aufhalten, werden mir das
verzeihen.
Warum sind Sie so lange in Deutschland geblieben,
obwohl Sie Thailand so sehr vermisst haben?
Der eigentliche Grund für meinen alljährlichen Flug nach
Deutschland ist folgender: Mein Mann hat vor Jahrzehnten einen
„Bund für soziale Hilfen“ gegründet, eine gemeinnützige, sehr
grosse Hotelanlage erbauen lassen und sich - nach seiner
Pensionierung - im Rahmen dieses Bundes für soziale Hilfen mit
Entwicklungshilfe in Thailand befasst. Es wurden Werkstätten
in Map Ta Phut erbaut, eine Bibliothek in Banglamung usw. Für
diesen Bereich habe ich die ehrenamtliche Leitung im Vorstand
übernommen. Nun fliege ich jedes Jahr pflichtgemäss zur
Mitgliederversammlung des genannten Bundes.
Auf wie viele Aufenthalte in Deutschland können Sie
zurückblicken? Was war in all den Jahren Ihr schönstes
Erlebnis?
Ich war schon 13 mal in Deutschland. Es gab da viele
schöne Eindrücke und Erlebnisse. Insbesondere beim Besuch
von Städten und Sehenswürdigkeiten, beim Wandern, beim
Treffen mit Freunden, am Lagerfeuer in der Hotelanlage,
beim Grillen im Freien, bei gutem Essen und Trinken,
Geschichten erzählen in heiterer Stimmung, Singen und
Tanzen am Abend.
Hat es ein negatives Erlebnis gegeben, das Sie am
liebsten aus Ihrem Gedächtnis streichen würden?
Schlecht ist nur, wenn Kälte, Sturm und Dauerregen ans Haus
fesseln. Dann geht die Stimmung Richtung Null, und bei mir
wird ein grosses Heimweh unvermeidlich.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Deutschen
besonders?
Die liebevolle Pflege ihrer Städte, Dörfer und
Landschaften, Pünktlichkeit. Gesetzliche Regelungen, die dafür
sorgen, dass Kinder versorgt bleiben, auch wenn Familien
auseinanderbrechen.
Sie sprechen Deutsch. Wie und wo haben Sie diese
Sprache gelernt?
Meine deutschen Sprachkenntnisse und Kenntnisse der
deutschen Küche verdanke ich weitgehend einem 15 monatigen
Einsatz in unserer Hotelanlage. Die grösste Schwierigkeit, die
es dabei zu überwinden galt, war, die Erlaubnis der Behörden -
Arbeitsamt, Ausländeramt usw. - zu erhalten. Es fehlte zwar im
Hotel sehr an deutschen Arbeitskräften, aber den Einsatz von
Ausländern wollte man trotzdem nicht ohne weiteres dulden.
Wie schneidet Deutschland im Vergleich zu Ihrem
Heimatland ab? Was kritisieren Sie, was stört Sie, was finden
Sie bei den Deutschen besser?
In Thailand finde ich schlecht, dass es keinen spürbaren
Zwang für Männer gibt, Sorge für Ehefrau und Kinder zu tragen,
wenn die Ehe auseinandergeht und sich der Mann davon macht.
Damit werden Frauen und Kinder in eine Notlage gebracht. Die
traurigen Auswege, die Frauen dann suchen, sind bekannt. Hier
sollte sich viel ändern. Man sollte die Wurzel des Übels
erkennen und diese beseitigen, anstatt die traurigen
Auswirkungen ändern zu wollen. In Deutschland müssen Männer
für die Familie weiter sorgen, auch wenn sie das vielleicht
nicht mehr mögen.
Deutschland hat, ebenso wie Thailand, ein grosses
Freizeitangebot. Was unternehmen Sie?
Wenn ich in Deutschland bin und zufällig schönes Wetter
ist, mache ich gerne Wanderungen durch die schöne Landschaft
und die blühenden Wiesen auf der Schwäbischen Alb. Meist ist
es aber recht kalt, denn die Hotelanlage liegt in 1.000 Meter
Höhe. Da muss ich mich, selbst bei Sonnenschein, warm
anziehen. Manchmal bekommen wir auch Besuch von anderen
Thaifrauen, die sich in Deutschland niedergelassen haben. Ihre
Männer müssen arbeiten, und so können sie noch nicht nach
Thailand zurückkehren. Alle, die ich kenne, haben aber diesen
Wunsch und leiden unter Heimweh nach Thailand und nach ihren
Familien und Freunden.
Bei welcher Gelegenheit haben Sie Ihren Mann kennen
gelernt?
Meinen Mann habe ich vor 14 Jahren kennen gelernt. Ich ass
gerade eine Suppe im Nudelshop, als er mich höflich ansprach
und mir erzählte, er sei zu einer Geburtstagsfeier eingeladen,
wolle aber nicht alleine hingehen. Mir war zwar ein wenig
unbehaglich zumute, aber schliesslich liess ich mich doch
überreden. Diese Entscheidung war, aus heutiger Sicht, gut und
richtig. Bereut habe ich es jedenfalls nicht.
Sie leben in Banglamung. Schildern Sie uns Ihren
Alltag.
Langeweile kenne ich in Thailand nicht. Ich habe Haus und
Garten zu versorgen, koche Deutsch und Thai, je nach Wunsch
und Bedarf, pflege regen Kontakt mit meinem Freundeskreis und
vor allem mit meinen Familienangehörigen.
Was ist Ihr Lieblingsplatz in Pattaya?
Am liebsten und am häufigsten bin ich zu Hause. Ausgänge in
die Stadt, zu irgendwelchen Vergnügungen sind seltener. Schon
eher gibt es Treffen mit dem Freundeskreis. Oft finden auch
diese an meinem Lieblingsplatz statt, also zu Hause.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Gesundheit für meine Angehörigen, Freunde und mich.
Zufriedenheit mit dem, was ich habe. Bleibende Treue.
Was wünschen Sie der Stadt Pattaya und Ihrem Land
für die Zukunft?
Ein grosses, sauberes Freizeitangebot für die ganze
Familie, saubere Umwelt, klares, sauberes Meer, gepflegte
Strände, Parks zum Spazierengehen mit Angehörigen und Freunden
sowie sichere Spielplätze für Kinder. Meinem Land wünsche ich
ein umfassendes sozi- ales Netz, das echte Notlagen lindert,
ohne zum Ausruhen einzuladen.
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