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n Map Ta Phut lernen Mädchen den Beruf einer Schneiderin oder Friseurin. In Boys Home (Foto) in Banglamung können Jugendliche in einer Bibliothek ungestört lesen. Beide Projekte - zwei Lehrwerkstätten und die Bücherei - hat der Bund für
Soziale Hilfen (BSH) finanziert. Der deutsche Verein hat sich der Sozialarbeit und der Entwicklungshilfe verschrieben. Ein ausführlicher Bericht über den BSH und seinen Vorsitzenden Kurt Winterhalder folgt anschließend.

 

Eine Chance für Heimkinder

Deutscher Verein errichtet zwei Lehrwerkstätten und eine Bibliothek

von Karl-Heinz Burmann
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ädchen sitzen im Kreis, greifen nach dem Material und basteln. Geschickt fertigen fleißige Hände Blumen. Scheu blicken die Kinder dem Besucher entgegen. Kurt Winterhalder schaut der eintönigen Arbeit eine Weile zu und fragt dann: "Macht ihr das gerne?" Die Mädchen verneinen. "Was würdet ihr lieber tun, was möchtet ihr denn lernen?" Die Antwort läßt nicht lange auf sich warten: "Wir würden gerne schneidern oder Friseurin werden."
Heute lernen im staatlichen Heim für Mädchen in Map Ta Phut bei Rayong bis zu 80 Jugendliche den Beruf einer Schneiderin oder Friseurin. Der Bund für soziale Hilfen (BSH) und sein Vorsitzender Kurt Winterhalder haben sich engagiert und in Zusammenarbeit mit thailändischen Institutionen zwei Lehrwerkstätten geschaffen.
Derzeit laufen Gespräche, den Werkstätten eine Lehrküche anzugliedern. Dort können Mädchen die Zubereitung europäischer und thailändischer Speisen lernen. "Auch dieser Berufszweig hätten gute Chancen", glaubt Kurt Winterhalder. An der von Tourismus und Industrie geprägten Ostküste sieht der Deutsche für Heranwachsende mit kompetenter Berufsausbildung gute Verdienstmöglichkeiten.
Der Bund für Soziale Hilfen fördert weiter das Boys Home in Banglamung. Dort sind mehrere hundert Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter untergebracht.
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Zwei Vorstandsmitglieder in einem Boot: Kurt Winterhalder gründete den Bund für Soziale Hilfen, die Thailänderin Ratanee Hongchai ist für den Bereich Entwicklungshilfe verantwortlich
Vor Jahren zeigte sich die US-Marine bei einem Besuch generös. Sie schenkte dem Heim einen Container Bücher. Ohne deutsche Hilfe wären die Bände womöglich längst vergilbt. Denn das vom Staat finanzierte Boys Home verfügte über keinen Raum, um seinen Jugendlichen die Bücher zu präsentieren. Der BSH sprang ein und finanzierte eine Bibliothek.
In den Heimen in Map Ta Phut und Banglamung werden Waisen und Sozialwaisen untergebracht. Also Kinder und Jugendliche, die ihre Eltern verloren haben, um die sich Vater und Mutter oder die Großfamilie nicht kümmern (wollen). Eingewiesen werden weiter Mädchen und Jungen, denen es an einer verantwortungsvollen Erziehung und Aufsicht in der eigenen Familie fehlt.
Kinder und Jugendliche, die in Pattaya streunen, betteln oder sich an Orten aufhalten, an denen sie gefährdet sind (zum Beispiel Rotlichtviertel), werden von der Polizei aufgegriffen und ebenfalls zu den Heimen gebracht. Macht das Sozialamt deren Familie ausfindig und ist diese bereit, den Ausreißer wieder aufzunehmen, wird er schon bald das Heim verlassen können.

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Das Logo des deutschen Vereins BSH

Die meisten Kinder und Jugendlichen, die ganz oder vorübergehend in den Heimen leben, wurden nicht von der Polizei aufgegriffen. Sie gingen auch nicht der Prostitution nach.
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Im Heim für Mädchen in Map Ta Phut lernen Waisen und Sozialwaisen den Beruf einer Schneiderin.
Eine solche Behauptung wäre rufschädigend für all jene, deren Eltern gestorben sind und deren Großfamilie sie nicht aufnehmen will. Waisen und Sozialwaisen überwiegen also in beiden staatlichen Heimen. Die Minderjährigen könnten allerdings schnell in Gefahrenzonen kommen, wenn sich niemand um sie kümmern würde.
Gleichgültig, aus welchem Grund ein Kind oder ein Jugendlicher im Heim landet: Es besteht für alle ein Anspruch auf Schul- und Berufsausbildung, auf Erziehung und Versorgung. "Es geht nicht um Schuldzuweisungen und Verurteilungen, sondern um die Erfüllung eines mitmenschlichen Auftrages an jene, die der Hilfe bedürfen", unterstreicht Kurt Winterhalder.
Es reicht nicht aus, Minderjährige, die Unterstützung brauchen oder die beispielsweise in der Umgebung von Bar aufgegriffen wurden, nur zu "verwahren". "Dem Schulbesuch muß eine Berufsausbildung folgen, sonst bleibt in der Regel nur der Weg zurück in die Barszene", weiß der Deutsche. Sein Ziel: eine berufliche Perspektive mit der Aussicht auf ein gutes Einkommen.
Der gebürtige Freiburger kam vor zwölf Jahren erstmals nach Thailand. Land, Leute und Lebensweise sagten ihm gleich zu. In der Folge verbrachte Kurt Winterhalder seine Urlaube im Königreich. Inzwischen ist Naklua sein zweiter Wohnsitz geworden. Den Sommer verbringt er im Haus Tanneck auf der Schwäbischen Alb (siehe "BSH und sein Gründer"), das Winterhalbjahr an der thailändischen Ostküste. Von seinem Haus in Naklua fördert er die Heime in Banglamung und im Industriezentrum Map Ta Phut.

 

BSH und sein
Gründer

Im Jahr 1969 gründet Kurt Winterhalder mit weiteren sieben Deutschen in Offenbach am Main den Bund für soziale Hilfen (BSH). Der Ehemalige Finanzbeamte bringt einen Teil seines Vermögens ein und wird zum Geschäftsführenden Vorsitzenden auf Lebenszeit gewählt.
Heute zählt die Organisaton 30 Mitglieder. Ihr Ziel: Sozialarbeit und Entwicklungshilfe. Für den Bereich Entwicklungshilfe sitzt die Thailänderin Ratanee Hongchai im Vorstand des deutschen Vereins.
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Kurt Winterhalder gründete und leitet den Bund für Soziale Hilfen

Nach der Gründung wurde auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg das Haus Tanneck als Jugendgesundungsstätte gebaut und unterhalten. Leiter ist von Beginn an Kurt Winterhalder. In sieben Gebäuden stehen 120 Betten zur Verfügung.
Gäste sind sozial Schwache: Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren. Das Haus Tanneck ist über Jahrzehnte für Tausende Erholungsheim, Schulungsstätte und Ziel einer vorbeugenden und nachgehenden Gesundheitsfürsorge. Auf der Schwäbischen Alb wurden vietnamesische Flüchtlinge aufgenommen und betreut, in der Heimküche lernen Thais die deutsche Küche kennen. Kurt Winterhalder, inzwischen 73 Jahre alt, will die Leitung des Hauses Tanneck in jüngere Hände geben.