| Diesseits von Thailand
von Khun Krut Die Beiden kommen aus Süddeutschland. Schweizer Grenze. Die Aussprache wirkt gemütlich, vollmundig, breit, lässig. Er heißt Manfred. Es hört sich an wie „Mampfred“, wenn sie ihn anspricht. Vielleicht weil er sein Essen mampft und dabei gleichzeitig mit vollem Mund redet. „Aber Aschtrittle“, sagt er liebevoll- versöhnlich zu ihr, weil sie Astrid heißt und ihn tadelt. Mampfred war schon öfter in Thailand. Kurzurlaub mit Neckermann, Bildungsurlaub mit dem Verein usw. Er erklärt seinem Aschtrittle alles, was sie (oder es?) über Thailand wissen will. Was Mampfred nicht weiß, kann er zumindest erklären. „Iß, Aschtrittle, eimol Fisch in d`r Woch` und du kriegsch kai Alzheimer. „Dann müsse die Thailänder, die noch viel mehr Fisch esse, ja nie Alzheimer kriege“, meints Aschtrittle und Mampfred versichert, dass dieses zutreffe, weil Thais statistisch schon sterben wenn sie die 60 überschritten haben. Da sei es noch zu früh für Alzheimer. Also bestellt Aschtrittle einen großen Fisch, in der Hoffnung einerseits frei von Alzheimer zu bleiben und andererseits trotzdem nicht mit 60 zu sterben. Mampfred lobt ihren Entschluß und isst ein Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Soll gut sein gegen Parkinson. Und warum die Thailänder nicht so alt wie die Deutschen werden, wills Aschtrittle jetzt wissen und Mampfred erklärt, dass es den Deutschen einfach mehr Spaß macht länger zu leben, um den früheren Bonsai-Minister zu widerlegen, der immer gerufen hat „die Renten sind sicher“. Und um die Rentenversicherung zu ärgern, die nicht mehr weiß, wie sie die Versprechungen der Regierungen einhalten und das ärgerliche Problem der längeren Lebenserwartung lösen soll. „Ein Thailänder hat keinen schwindelnden Rentenminister, keine Rentenversicherung, keine Rentenansprüche. Woher soll er da den Spaß an einem langen Leben nehmen?“ „Ah-so, ja dann“, sagts Aschtrittle. Mampfred hat sich Nachtisch und ein Verdauungs-schnäpsle bestellt. Aschtrittle liest inzwischen deutschsprachige Blättchen aus Thailand. Staunt über den Wagemut der Schreiber, welche Regierung, Stadtverwaltung und Botschaft aufs Korn nehmen und fragt, warum man diese Schreiberlinge nicht einfach aus dem Land jage. Mampfred erklärt, dass jede der angegriffenen Stellen eine große Pfeife besitze. Darin kann man solche Artikel rauchen, wenn sie der Behörde überhaupt zur Kenntnis gelangen. Im übrigen würde man einfach darauf pfeifen. Schließlich kümmere sich der Mond auch nicht darum, wenn ein Dackel ihn anbellt. „Ich bin mächtig schtolz uff dich, weil du so weltgewandt über den Dingen schtehscht“, sagts Aschtrittle. Die Rechnung fällt etwas hoch aus. S`Aschtrittle meint, man müsse
reklamieren, aber Mampfred gebietet ihr, zu schweigen. Es seien jetzt
Besucher-Qualitäts-Tests am laufen, „Jetz wod`s sagsch“ nickts Aschtrittle.
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