| Diplom-Hektiker
von Khun Krut Bist du ihm auch schon begegnet? Gerade an Urlaubsorten setzt er sich gerne fest, um nicht nur Feriengäste sondern die gesamte Umgebung mit unsäglichem Gerede über seine Vielfältigkeit, Betriebsamkeit und über die Auswirkungen seiner Tätigkeit auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu langweilen. Er ist über alles und jeden gründlich informiert. Der liebe Gott weiß alles, er aber weiß alles besser! Erkennbar ist er an seinem restlichen Haarwuchs, den er sich wegen grauenhafter Überlastung unablässig rauft. Weitere Kennzeichen sind seine herabgezogenen Mundwinkeln, die das Leid des Überforderten signalisieren, seine zitternden Hände und die geschwollene Leber, die er beschwichtigend von außen massiert. Erkennbar ist der Dipl. Hektiker aber vor allem an seinen zeitraubenden Berichten über die Tätigkeiten, die er hinter sich, neben sich und vor sich sieht, an seinem nicht enden wollenden angeberischen Geschwätz und vor allem an seinen absolut leeren Versprechungen, die er so gut wie niemals einhält. Unablässig organisiert er irgendwas, ohne dass es jemals zustande käme, in allen nur denkbaren Vereinen und Organisationen spielt er die entscheidende Rolle und hat tragende Ämter übernommen, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen, sagt er. Protokolle, Tätigkeit- und Kassenberichte harren der Vollendung, eine Rede muss er vorbereiten, die Regierung und Stadtverwaltung auf Missstände aufmerksam machen, Zeitungsartikel schreiben, Bildberichte fertigen, Studien betreiben und allen unfähigen Urlaubern und Residenten die nötigen Hilfen und Beratungen zuteil werden lassen, weil sie ohne diese und ohne sein Eingreifen untergehen würden. Niemand kann sich auch nur im Entferntesten vorstellen, welcher Grad an übermenschlicher Belastung ihm zugemutet wird. Alles hängt an ihm, bis hin zu seinen Mundwinkeln. Einst kam er nach Pattaya, um sich vom Stress in Europa zu erholen, klagt er. Nun aber habe sich das Blatt gewendet und er fahre jedes Jahr aus Erholungsgründen nach Europa zurück, aber nur, um auch dort wieder das Nötigste in Ordnung zu bringen. Man darf nicht etwa annehmen, dass dieses unfruchtbare Gerede keinen eigentlichen Zweck verfolge. Zunächst sind diese Schutzbehauptungen bestens geeignet, um jeden abzuschrecken, der den Überlasteten um einen Gefallen bitten wollte. Der Bittsteller weiß nun, dass er damit wenig Aussicht auf Erfolg haben kann. Andererseits könnte es wieder nützlich sein, eine derart wichtige Persönlichkeit zu kennen und seine Belastung gebührend zu erleichtern, indem man ihn wenigstens zu einem erholsamen kühlen Bierchen einlädt. Wagt es der Bittende jedoch, sein Anliegen anzudeuten, wird dies trotz allem gnädig entgegen genommen, aber mit dem Hinweis, dass man die Bitte gewiss erfüllen wolle, sobald man Zeit habe. Damit ist auch diese Anstrengung auf die unendlich lange Bank geschoben und bis zum Sankt Nimmerleinstag verschoben. Es ist zu empfehlen, über alle Versprechungen eine Liste anzulegen und bei Nummer 6 die Aufzeichnung zu den Akten zu nehmen. Abzuheften unter „Unzuverlässige Angeber und Spruchbeutel“. Bei sorgfältiger Registrierung wird sich der Ordner schnell füllen. In Wahrheit bringt der Diplom-Hektiker so gut wie nichts wirklich Brauchbares zustande, hat zwei linke Hände und ernährt sich von den Früchten seiner Wichtigtuerei. Er könnte noch nicht einmal ein Kind zeugen, weil er im Grund sogar diese Anstrengung scheut, weder mit Lust noch mit Liebe arbeitet und innerhalb von neuen Monaten auch noch nie etwas Dauerhaftes zustande gebracht hat, schon gar nichts mit Hand und Fuß. Seine Unfähigkeit, irgendetwas von Nutzen fertig zu bringen, hat schon das Arbeitsamt erkannt und diesen „Hoch- und Überqualifizierten“ als nicht mehr vermittelbar eingestuft. Fortan blieb ihm viel Zeit über die Veröffentlichung seines nicht erkannten Nutzens nachzudenken und die geschundenen Zuhörer mit dem Ergebnis seiner Überlegungen durch unendliches Geschwätz und leere Versprechungen zu langweilen. Fremder, kommst du nach Pattaya, sage, du hast ihn kennen gelernt, den Dipl. Hektiker und Dauerschwätzer, ohne lange nach ihm suchen zu müssen. Hoch atmend ist er dir begegnet, erschöpft den imaginären Schweiß wischend, ließ er sich neben dir nieder, um Speise und Trank von Dir anzunehmen, was ihm wieder neue Kraft gab, der Menschheit zu dienen. Er werde sich mit Freuden revanchieren, hat er beim Abschied gesagt und demnächst ein Menu, allein zu deinen Ehren zubereiten, denn er sei ein vorzüglicher Koch. Die Einladung werde demnächst folgen. Danach hast du nie mehr etwas von ihm gehört, wie zu erwarten war. Freue dich trotzdem darüber dem „dipl.hect.“ begegnet zu sein, gleichgültig ob er nun männlich oder weiblich ist, und komm` bald wieder zurück nach Pattaya, wo diese Spezies häufiger als sonst wo auf der Welt angetroffen werden. Verkneife dir das Lachen, bis er oder sie sich verabschiedet hat und, schon wieder völlig am Ende der Kräfte, davon wankt, hin zu neuen unaufschiebbaren Tätigkeiten, die seiner oder ihrer harren! Schon an der nächsten Straßenecke wartet einer gespannt auf seine oder ihre Tätigkeit- Erfahrungs-und Erfolgsberichte und belohnt, hoffentlich, mit der gebührenden Bewunderung und einer Einladung. Bis zum nächsten Treffen grüßen alle Gequälten sämtliche
Dipl.Hekt., Angeber/Innen, Schwätzer/Innen und leere Sprüche
Klopfer/Innen mit einem wohlverdienten, tiefgründigen und dreifachen:
„Blah -blah- blah“!
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