| Beratung gegen Minderwertigkeit
von Khun Krut Lass in deinem Gefühlsleben keinen Minderwertigkeits-komplex aufkommen! Wehre dich! Lass dir helfen! Eine für Minderwertigkeitskomplexe gefährliche Situation wäre in etwa die folgende: Du stehst mit deinem Motorrädchen an der thailändischen Autobahn und blickst auf die vorbeirauschenden Statussymbole, welche von Thailändern mit erhobenem Haupt gefahren werden. Man würdigt dich keines Blickes. Du möchtest die Autobahn gerne überqueren, aber Mercedes Benze und BMWs jagen hintereinander her und du sehnst dich vergeblich nach einer Lücke. Wie leicht kann man sich bei dieser Situation einen Komplex der Minderwertigkeit einhandeln. Da stehst du mit deinem Zweirädchen und frisst den Staub, der vom gastgebenden Volk per Luxuskarossen aufgewirbelt wird. Was tun gegen das aufkommende Gefühl der Ohnmacht, der Frustration und der eigenen Bedeutungslosigkeit? Hier unser erfolgreich erprobtes Rezept: Mach dir zunächst klar, dass alle diese Statussymbole in Deutschland erfunden wurden. Mercedes Benz hat seinen Stammsitz im schwäbischen Stuttgart und du kannst auch ohne Probleme „Benz“ sagen, hinten mit einem „z“. Nicht einfach nur „Benn“. Damit bist du eindeutig im Vorteil, sowohl sprachlich als auch erfindungs- und produktionsmäßig. Du bist Angehöriger des Volkes, welches den Benz erfunden hat. Und womit fahren diese Autos? Entweder mit Benzin, das doch wohl mit Benz zu tun hat oder mit Diesel, das der Deutsche Rudolf Diesel erfunden hat. Und wer war Daimler? Ein Deutscher, wie man weiß. Was hat es da zu bedeuten, dass du nur ein Motorrädchen hast aber die Bewohner des Schwellenlandes Benz und BMW fahren? Es geht um die richtige Einordnung der Werte und um die Verdienste an deren Zustandekommen schlechthin als solchem und nicht um schnöden Besitz. Kommt das Statussymbol „Bieh-Em-Dabbeljuh“ in dein Blickfeld, wehre dich erneut gegen das Gefühl des Neides, welches da aufkommen will. Du bist es doch, der weiß, dass „BMW“ in Wahrheit „Bayrische Motorenwerke“ bedeutet und dass Bayern irgendwie auch zu Deutschland gehört, zu eben diesem Land, aus welchem du gekommen bist, um bei der Aufnordung des Entwicklungslandes mitzuhelfen, ja schließlich auch durch deinen Einsatz an Miete für das Motorrädle das Bruttosozialprodukt Thailands zu vergrößern und das Gastland emporzuheben vom Entwicklungs - zum Schwellenland. Richte auch einen Blick zum Himmel, dort wo vierstrahlige Düsenjets dich und dein Motorrädle überfliegen und frage dich, ja wo wären sie denn, all diese asiatischen Luftlinien, hätte sich nicht der Deutsche Otto Lilienthal opferfreudig mit seinem Hängegleiter in den Tod gestürzt? Zugegeben, er flog nur 350m weit. Aber wir haben doch alle mal klein angefangen! Genau so, wie du mit deinem Motorrädchen. Und 350 m würden ja bei weitem ausreichen, um diese Autobahn sogar mehrfach zu überqueren. Lass also deine Brust schwellen, im stolzen Gefühl teil zu haben
am Zustandekommen der deutschen Fahrzeuge, welche über die thailändischen
Autobahnen brettern. Wirklich kein Grund sich einen Minderwertigkeitskomplex einzuhandeln. Nur weil du da mal ein Viertelstündchen warten und den schönen deutschen Autos zuschauen darfst. Bemühe dich in dieser Zeit um die rechte Sichtweise und wiege dich in der Gewissheit, dass auch du dein Ziel der erfolgreichen Überquerung erreichen wirst, genau wie deine erfinderischen, geduldigen und zähen deutschen Vorfahren ihre Ziele mit Wagemut und Ausdauer erreicht haben. Alles in allem: Kein Grund für Minderwertigkeitsempfindungen, sondern für Gefühle des Stolzes, wie du jetzt nach erfolgreicher Belehrung einsiehst. Wenn du aber nach all dem, was dir hier erklärt wurde, noch immer Zweifel hegst, so begebe dich an eine Bar oder in ein ähnliches Etablissement in erreichbarer Umgebung. Dort wird man dir Dienstleistungen anbieten und im Rahmen der anstehenden Preisverhandlungen für eben diese Minnedienste erklären, wie reich der Farang ist und wie arm die Einheimischen sind. Danach wirst du den Unterschied, der dich empor hebt über die Niederungen der Armut, endlich begriffen haben. Hoffentlich!
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