| Filipinas Beine
von Khun Krut Emil brauchte ein neues Visum für Thailand und flog nach Manila, es zu beantragen. Nebenbei hatte er Zeit sich umzusehen und ein bißchen Freiheit zu genießen. So fiel sein Blick (gewiß rein zufällig) auch auf die, meist makellosen, Beine der Filipinas. Emil verglich und dachte so bei sich, daß Nids Beine zwar ebenfalls wohlgeformt, allerdings stellenweise vernarbt seien. Emil ging der Sache auf den Grund, und er hatte, nach seiner Rückkehr, leider das Bedürfnis, seine Erkenntnisse mit Nid zu besprechen. Zunächst schien es Emil, es gäbe in Manila weniger Hunde als in Pattaya. Auch Mopeds zählten zu den Seltenheiten. Darin erblickte Emil wesentliche Ursachen für die Narbenfreiheit der Philippinas, denn die eine häßliche Narbe, die Nids Wade verunzierte, stammte von einem Hundebiß. Hatte Emil einiges Geld gekostet, für ärztliche Behandlung. Müßte eigentlich der Nachbar bezahlen, sagte Emil. Aber Nid meinte, der Nachbar füttere den Hund nur aus Mitleid, es sei nicht sein Hund, und er sei somit auch nicht dafür verantwortlich wenn der Hund beiße. Man könne ja schließlich einen Menschen nicht bestrafen, wenn er Mitleid mit einem Hund habe, sagte Nid, mit einer gewissen Schärfe in der Stimme. Aber du fütterst doch auch keinen der zahlreichen Hunde, die hier herumlaufen, sagte Emil. Genau beobachtet, stimmte Nid zu. Hunde sind Menschen, die wiedergeboren wurden und nun Hunde sein müssen, weil sie böse Menschen waren. Diese gerechte Strafe darf man nicht erleichtern, indem man sie füttert. Das hieße, Buddha in den Arm zu fallen, erklärte Nid, etwas schärfer im Tonfall. Darauf ließ sie Emil ratlos stehen. Die zweite Ursache für vernarbte Beine erblickte Emil im katastrophalen Umgang Nids mit ihrem Moped, was bereits zu zwei Unfällen geführt hatte. Wenn er ihre Fahrweise beobachtete, sträubten sich seine Nackenhaare. Auch das erwähnte Emil wieder, im Zusammenhang mit den Narben. Er forderte, Nid möge doch den Richtungswechsel jeweils rechtzeitig zuvor anzeigen. Eben weil sie das nicht tue, sei es zu den Unfällen und Vernarbungen gekommen. Nid, noch eine Spur schärfer werdend, verbat sich die Belehrung, mit dem Hinweis, sie wisse selbst wohin sie fahren wolle, und eine Richtungsanzeige sei somit unnötig! Emil versuchte ergänzend zu erklären, daß es doch darum gehe, auch andere Leute wissen zu lassen, wohin man fahre, aber Nid war der Auffassung, andere gehe es nicht das Geringste an, wohin sie fahren wolle. Sie sagte das mit einer Deutlichkeit und einem Tonfall, die keinen Widerspruch mehr zuließen. Wieder diese beschämende Ratlosigkeit bei Emil, dem einfach keine Argumente mehr bei Nids Schlagfertigkeit einfielen. Außerdem wußte Emil aus Erfahrung, wann der Punkt gekommen war, an welchem man Nid besser nicht mehr widersprach. Man erkannte es am immer schärfer werdenden Ton und vor allem daran, daß Nid jede Logik in ihren Beweisführungen überflüssig erschien. Jetzt hing der Haussegen beträchtlich schief! Emil haderte mit sich. Er hatte die Absicht
gehabt, ein Problem -rein wissenschaftlich- anzugehen und, in harmonisch-gedanklicher
Zusammenarbeit mit Nid, einer Lösung zuzuführen. Das Ergebnis
war eine zornige Nid und der totale Liebesentzug für mindestens drei
Tage. Und das alles nur wegen der Beine der Filipinas - hätte er
sie doch nie erwähnt!
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