| Emil und die weibliche Psyche
von Khun Krut Emil sitzt an der Bar und erteilt Lebenshilfen in Form von praktischen Ratschlägen, die er, aus seinem reichen Erfahrungsschatz, an die herumsitzenden Thailand-Neulinge weitergibt. Seine Nid, eben erst noch bester Laune, wollte sich zurückziehen und ermüdet der Ruhe pflegen. Sie sagte, sie wolle ein "Niggelsen" machen. Das ist ein Nickerchen, wie Emil den lauschenden Zuhörern erklärt. Nid versuchte noch, während sie sich zurückzog, auch Emil mit verheißungsvollen Blicken zu einem solchen Nickerchen zu ermuntern. Aber Emil zog es dieses Mal vor, in der Bewunderung seiner Zuhörer zu baden. Nid zeigte per Schmollmund an, dass dieses rücksichtslose, jedes Einfühlungsvermögen vermissende Verhalten, ihre Missbilligung hervorgerufen hatte. Dann schlug die Tür hörbar ins Schloß. Die männlichen Barbesucher dürsteten nach tiefschürfenden Erklärungen zu diesen schnell wechselnden thailändischen, weiblichen Stimmungslagen. Emil war in seinem Element. Die nahe liegende Frage nach dem allgemeinen mentalen Unterschied zwischen der europäischen und der thailändischen Frau, erklärte Emil, weit ausholend damit, daß die Thailänderinnen naturbezogener reagieren, was insbesondere bei der Einschätzung der sich ständig wandelnden weiblichen Stimmungen für einen kundigen Liebhaber wichtig zu wissen sei. Deshalb sei es beispielsweise völlig verfehlt, durch Befragen der Geliebten, erkunden zu wollen, weshalb sie plötzlich schlechte Laune habe. Erkenntnis der Ursachen könne beispielsweise ein Blick in den Mondkalender vermitteln. Insbesondere die Phasen des Vollmonds, des Neumonds und des Halbmonds seien da für die Ursachen meist verantwortlich. Aber auch der bevorstehende Besuch von "Tante Rosa", oft an eine Mondphase gekoppelt, könne Auswirkungen haben. Dann helfe nur ruhiges, gelassenes Verhalten und so zu tun, als bemerke man die schlechte Laune überhaupt nicht, rät Emil. Irgendwann würden sich die dunklen Wolken des weiblichen Trübsinns dann ganz von alleine wieder verziehen. So wie Ebbe und Flut im Golf von Siam unabänderlich kommen und gehen, bewegen sich auch die Launen der Damen, weiß Emil zu berichten. Auch dafür sei oft der Mond verantwortlich und keinesfalls ein europäischer Liebhaber. In seiner thailändischen Lehrzeit habe er selbst meist den gravierenden Fehler gemacht, die Psyche der Frau und damit ihre Launen zu erforschen, schildert Emil. Er habe dabei die völlig verfehlte Frage gestellt, ob die Misslaunigkeit vielleicht etwas mit seinem Fehlverhalten zu tun habe. Eine solche Frage führe unmittelbar mitten in die Katastrophe, sagt Emil. Habe er dummerweise gefragt, sei seine Nid, nach einer kurzen Besinnungspause mit angestrengtem Nachdenken, jeweils in heftiges Schluchzen verfallen, habe ihn beschuldigt, einem vorbeigehenden Mädchen Blicke nachgeworfen zu haben oder er habe ähnliche zu mißbilligende männliche Verhaltensmuster gezeigt, die ihr bewiesen hätten, dass Emil sie nicht mehr liebe. Emils darauf folgende Beteuerungen seiner unwandelbar großen Liebe, habe jeweils nach Beweisen gerufen und Emil sei auf diesem Weg manches Ringlein und Kettchen los geworden, ja gelegentlich seien sogar ausufernde Sklavendienste, wie z.B. das Wegtragen des Mülls, zur Wiedergutmachung von ihm gefordert worden, und er habe sich beugen müssen, weil andernfalls tage- und nächtelanger Liebesentzug gedroht hätte. Einzig richtiges Rezept in solchen weibischen Negativ-Stimmungslagen, sagt der überragende Frauenkenner und Fremdwörter missbrauchende Emil, sei nur... ..."einfach nicht ignorieren!"
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